Cyber-Risiken bei PV- und BESS-Projekten: Die unterschätzte Gefahr für Betreiber und Investoren
- Michael Reichert
- 14. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher werden immer digitaler. Moderne Solarparks und BESS-Projekte sind heute hochvernetzte Energieanlagen, die über Fernüberwachung, Energiemanagementsysteme, Handelsplattformen, Netzleitstellen und Cloud-Anwendungen gesteuert werden.
Diese Digitalisierung schafft erhebliche Vorteile für Betreiber. Gleichzeitig entsteht jedoch ein Risiko, das in vielen Wirtschaftlichkeits- und Risikomodellen noch nicht ausreichend berücksichtigt wird:
Cyber-Angriffe auf Energieanlagen.
Während Sachschäden durch Sturm, Hagel oder Brand längst zum Standard-Risikomanagement gehören, werden Cyber-Risiken häufig unterschätzt. Dabei können digitale Angriffe heute zu erheblichen Ertragsausfällen, Betriebsunterbrechungen und Haftungsrisiken führen.
Für Investoren, Betreiber und Finanzierer stellt sich daher zunehmend die Frage:
Wie hoch ist das Cyber-Risiko eines Projekts – und lässt es sich überhaupt versichern?
Der moderne Solarpark ist längst ein IT-System
Ein heutiger Solarpark mit Batteriespeicher besteht nicht mehr nur aus Modulen, Wechselrichtern und Transformatoren.
Zum Anlagenbetrieb gehören heute häufig:
SCADA-Systeme
Batteriemanagementsysteme (BMS)
Energiemanagementsysteme (EMS)
Fernwartungszugänge
Cloud-Plattformen
Stromhandelsplattformen
Direktvermarktungsschnittstellen
Netzbetreiber-Anbindungen
Jede dieser Verbindungen stellt potenziell eine Angriffsfläche dar.
Je stärker Anlagen digitalisiert werden, desto wichtiger wird die Frage nach ihrer Cybersicherheit.
Die größten Cyber-Risiken liegen nicht im Datendiebstahl
Viele Betreiber verbinden Cyber-Risiken zunächst mit gestohlenen Daten oder gehackten E-Mail-Konten.
Bei PV- und insbesondere BESS-Projekten liegen die tatsächlichen Gefahren jedoch an anderer Stelle.
Aus Sicht von Investoren und Banken sind insbesondere fünf Risiken besonders kritisch:
Manipulation des Batteriemanagementsystems (BMS)
Ausfall von Stromhandel und Vermarktungssystemen
Angriffe auf SCADA- und Leitsysteme
Ransomware-Angriffe
Haftungsansprüche gegenüber Dritten
Genau diese Risiken können direkte Auswirkungen auf Umsatz, Cashflow und Projektrendite haben.
Manipulation des Batteriemanagementsystems (BMS)
Das BMS ist das Herzstück jedes Batteriespeichers.
Es kontrolliert unter anderem:
Ladezustände
Zellspannungen
Temperaturbereiche
Sicherheitsfunktionen
Lade- und Entladevorgänge
Wird ein BMS manipuliert oder fällt es infolge eines Cyberangriffs aus, können schwerwiegende Folgen entstehen:
Fehlsteuerungen einzelner Zellen
beschleunigte Alterung der Batterie
Kapazitätsverluste
Notabschaltungen
Ausfall ganzer Speichercontainer
Im Extremfall können technische Fehlfunktionen erhebliche Sachschäden verursachen.
Gerade deshalb gehört die Sicherheit des BMS mittlerweile zu den wichtigsten Risikofaktoren bei der Bewertung von BESS-Projekten.
Ausfall des Energiehandels kann unmittelbar Umsätze vernichten
Viele moderne Batteriespeicher erzielen ihre Erlöse nicht allein durch das Speichern von Strom.
Zentrale Erlösquellen sind heute:
Intraday-Handel
Arbitragegeschäfte
Regelenergie
Redispatch
Flexibilitätsmärkte
Ein erfolgreicher Cyberangriff auf Handels- oder Kommunikationssysteme kann dazu führen, dass diese Erlöse über Stunden, Tage oder sogar Wochen nicht realisiert werden können.
Für rein handelsorientierte Speicherprojekte können die finanziellen Schäden schnell deutlich höher ausfallen als klassische Sachschäden.
Gerade deshalb achten Investoren zunehmend auf die Absicherung dieser Risiken.
Angriffe auf SCADA- und Leitsysteme
SCADA-Systeme überwachen und steuern wesentliche Funktionen moderner Energieanlagen.
Cyberkriminelle können versuchen:
Anlagen abzuschalten,
Leistungswerte zu manipulieren,
Fehlmeldungen zu erzeugen,
Betriebsparameter zu verändern oder
Steuerungssysteme lahmzulegen.
Das Problem:
Viele Betreiber erkennen zunächst nicht, dass ein Cyberangriff vorliegt und vermuten technische Störungen.
Dadurch werden Ausfälle oft erst spät erkannt und die wirtschaftlichen Schäden können erheblich steigen.
Ransomware: Das aktuell größte Cyber-Risiko
Besonders gefürchtet sind heute sogenannte Ransomware-Angriffe.
Dabei werden zentrale Systeme verschlüsselt und erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder freigegeben.
Betroffen sein können:
Betriebsführungssysteme
Monitoring-Plattformen
Handelsplattformen
Dokumentationssysteme
Cloud-Services
Für Betreiber entstehen dadurch häufig:
Betriebsunterbrechungen
Ertragsausfälle
Wiederherstellungskosten
Kosten für IT-Forensiker
Krisenmanagementkosten
Aus Sicht vieler Versicherer gehört Ransomware mittlerweile zu den wahrscheinlichsten Cyber-Schadenereignissen.
Cyber-Risiken können zu Haftungsfällen werden
Ein Cybervorfall betrifft nicht immer nur den Betreiber selbst.
Unter Umständen können auch Dritte geschädigt werden.
Mögliche Folgen sind:
Nichterfüllung von Regelenergieverträgen
Verletzung von Direktvermarktungsverträgen
Bilanzkreisprobleme
Netzstörungen durch Fehlsteuerungen
Vertragsverletzungen gegenüber Energiehändlern
Daraus können Schadenersatzforderungen entstehen, die weit über den eigentlichen IT-Schaden hinausgehen.
Gerade institutionelle Investoren betrachten diese Haftungsrisiken zunehmend als Bestandteil ihrer Due-Diligence-Prüfungen.
Das Kostenrisiko für Betreiber und Investoren
Cyber-Schäden verursachen häufig nicht nur IT-Kosten.
Hinzu kommen oftmals:
Ertragsausfälle
Handelsverluste
Vertragsstrafen
externe IT-Spezialisten
Wiederherstellungskosten
Rechtsberatung
Reputationsschäden
Je stärker die Erlösstruktur eines Projekts digitalisiert ist, desto größer wird das wirtschaftliche Risiko.
Für Banken und Investoren wird Cybersecurity damit zunehmend zu einem finanzierungsrelevanten Thema.
Sind Cyber-Risiken überhaupt versicherbar?
Die gute Nachricht lautet:
Ja, viele Cyber-Risiken lassen sich heute versichern.
Allerdings unterscheiden sich Cyber-Versicherungen deutlich von klassischen Sach- oder Haftpflichtversicherungen.
Viele Betreiber gehen davon aus, dass bestehende Versicherungen digitale Schäden automatisch mit absichern.
In der Praxis bestehen jedoch häufig Deckungslücken.
Daher sollte geprüft werden, ob insbesondere folgende Risiken abgesichert sind:
Eigenschäden
Wiederherstellung von Daten
Wiederherstellung von Software
IT-Forensik
Krisenmanagement
Incident-Response-Kosten
Betriebsunterbrechung
Besonders relevant für PV- und BESS-Projekte:
Ertragsausfälle
Ausfall von Stromhandelsplattformen
Unterbrechungen des Anlagenbetriebs
Vermarktungsausfälle
Cyber-Haftpflicht
Schadenersatzansprüche Dritter
Vertragsverletzungen
Vermögensschäden
Kosten für Cyber-Spezialisten
IT-Forensiker
Rechtsanwälte
Verhandlungsspezialisten
Krisenkommunikation
Nicht jedes Projekt ist gleich gut versicherbar
Wie bei BESS- oder Umweltrisiken hängt auch die Versicherbarkeit von Cyber-Risiken stark von der Qualität des Risikomanagements ab.
Versicherer bewerten heute insbesondere:
Mehrfaktor-Authentifizierung
Backup-Strategien
Fernwartungskonzepte
Netzsegmentierung
Update-Management
Cyber-Notfallpläne
Trennung von Office-IT und Anlagensteuerung
Zugriffskontrollen für Dienstleister
Je professioneller diese Maßnahmen umgesetzt werden, desto besser sind in der Regel Versicherbarkeit, Deckungsumfang und Prämienniveau.
Warum ein spezialisierter Versicherungsmakler wichtig ist
Cyber-Versicherungen gehören mittlerweile zu den anspruchsvollsten Bereichen der Projektversicherung.
Ein spezialisierter Makler unterstützt Betreiber dabei:
Cyber-Risiken zu analysieren,
Deckungslücken aufzudecken,
Cyber- und Sachversicherungen aufeinander abzustimmen,
Anforderungen von Banken und Investoren umzusetzen,
geeignete Versicherer auszuwählen,
Cyber-Risiken in die Rentabilitätsbetrachtung einzubeziehen.
Insbesondere bei BESS-Projekten lohnt sich die frühzeitige Einbindung eines Spezialisten bereits während der Projektentwicklung.
Fazit
Mit der Digitalisierung von Solarparks und Batteriespeicherprojekten wächst auch die Bedeutung von Cyber-Risiken. Die größten Gefahren liegen heute nicht im klassischen Datendiebstahl, sondern in der Manipulation von Batteriemanagementsystemen, dem Ausfall von Handelsplattformen, Angriffen auf Leitsysteme, Ransomware-Attacken und daraus resultierenden Haftungsrisiken.
Ein erfolgreicher Cyberangriff kann erhebliche Ertragsausfälle verursachen und damit die Wirtschaftlichkeit eines Projekts unmittelbar beeinträchtigen.
Die gute Nachricht: Viele dieser Risiken sind versicherbar. Voraussetzung ist jedoch, dass Cybersecurity frühzeitig in das technische, wirtschaftliche und versicherungsseitige Risikomanagement integriert wird.
Denn bei modernen PV- und BESS-Projekten schützt eine gute Cyber-Versicherung nicht nur die IT – sondern letztlich die Rentabilität des gesamten Investments.




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