Batteriespeicher-Energiespeichersysteme (BESS): Große Chancen für Solarparks – aber nur mit der richtigen Absicherung
- Michael Reichert
- 30. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Juli

Die Energiewende tritt in eine neue Phase ein. Während Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen Jahren vor allem auf maximale Stromproduktion ausgelegt wurden, rückt heute die flexible Nutzung von Energie in den Mittelpunkt. Der Schlüssel dazu sind Battery Energy Storage Systems (BESS) – großskalige Batteriespeicher, die zunehmend zum festen Bestandteil moderner Solarparkprojekte werden.
Für Projektentwickler eröffnen sich dadurch neue Erlöspotenziale und zusätzliche Geschäftsmodelle. Gleichzeitig entstehen jedoch Risiken, die in ihrer Komplexität weit über die einer klassischen PV-Anlage hinausgehen.
Genau deshalb gewinnt eine Frage immer mehr an Bedeutung:
Ist der Batteriespeicher so versichert, dass der Versicherungsschutz im Schadenfall tatsächlich greift?
Warum BESS für Projektentwickler immer wichtiger werden
Großspeicher sind längst mehr als eine technische Ergänzung zum Solarpark. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem eigenständigen Asset mit erheblichem Wertschöpfungspotenzial.
Mit einem BESS können Betreiber:
Strom zwischenspeichern und zu attraktiveren Zeitpunkten vermarkten
Netzengpässe besser beherrschen
Abregelungsverluste reduzieren
zusätzliche Erlöse auf Flexibilitäts- und Regelenergiemärkten erzielen
bestehende Netzanschlüsse effizienter nutzen
Viele Investoren betrachten Speicher inzwischen als entscheidenden Baustein für die langfristige Wirtschaftlichkeit von Solarprojekten.
Doch je wichtiger Batteriespeicher wirtschaftlich werden, desto größer werden auch die finanziellen Folgen eines Ausfalls.
Die Risiken unterscheiden sich deutlich von klassischen PV-Anlagen
Eine Photovoltaik-Anlage besteht überwiegend aus passiven Komponenten. Ein Batteriespeichersystem hingegen ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Batteriezellen, Wechselrichtern, Kühltechnik, Brandschutzsystemen, Trafostationen, Steuerungssoftware und Kommunikationseinrichtungen.
Entsprechend vielfältig sind die möglichen Schadenursachen.
Zu den häufig diskutierten Risiken gehören:
Defekte einzelner Batteriezellen
Kurzschlüsse
Kühlungsausfälle
Überspannungsschäden
Software- und Steuerungsfehler
Montage- oder Installationsmängel
Materialfehler
Brandereignisse
Blitzschlag
Vandalismus und Sabotage
Insbesondere Batteriesysteme weisen eine deutlich höhere technische Komplexität auf als klassische Solarparks. Dies führt dazu, dass Schäden häufig nicht nur einzelne Komponenten betreffen, sondern ganze Speichereinheiten außer Betrieb setzen können.
Wenn aus einem technischen Defekt ein Großschaden wird
Das Risiko beschränkt sich dabei nicht auf den Austausch einzelner Betriebsmittel.
Bei Großspeichern können bereits verhältnismäßig kleine Defekte schwerwiegende Folgen haben.
Besonders gefürchtet sind sogenannte Kettenreaktionen innerhalb von Batteriesystemen. Selbst wenn moderne Sicherheits- und Brandschutzkonzepte das Risiko erheblich reduzieren, können Schäden schnell hohe Kosten verursachen.
Neben den reinen Reparatur- oder Wiederbeschaffungskosten entstehen oft weitere finanzielle Belastungen:
Betriebsunterbrechungen
entgangene Vermarktungserlöse
Kosten für Spezialgutachter
Entsorgungs- und Dekontaminationskosten
Aufwendungen für Feuerwehreinsätze
Wiederherstellung von Infrastruktur
Bei größeren Speicherprojekten können solche Schadenereignisse schnell in die Millionen gehen.
Warum Standardversicherungen häufig an ihre Grenzen stoßen
Viele Projektentwickler stellen fest, dass Batteriespeicher von Versicherern deutlich kritischer betrachtet werden als klassische Freiflächenanlagen.
Der Grund ist nachvollziehbar: Die Schadenhistorie von Großspeichern ist noch vergleichsweise jung, Technologien entwickeln sich rasant weiter und die Risikomodelle vieler Versicherer befinden sich noch im Aufbau.
Dadurch sind Standardlösungen häufig nicht ausreichend.
Typische Herausforderungen sind:
eingeschränkte Deckungsumfänge
hohe Selbstbehalte
besondere Sicherheitsanforderungen
Ausschlüsse für bestimmte Technologien
unzureichende Berücksichtigung von Ertragsausfällen
unklare Regelungen zu Folgeschäden
Projektentwickler sollten daher keinesfalls davon ausgehen, dass eine herkömmliche Photovoltaik-Police automatisch auch die Risiken eines Batteriespeichers vollständig abdeckt.
Die technische Auslegung beeinflusst die Versicherbarkeit
Ob und zu welchen Bedingungen ein BESS versicherbar ist, hängt maßgeblich von der Projektplanung ab.
Versicherer achten heute unter anderem auf:
Zelltechnologie
Containerkonzept
Brandschutzsysteme
Abstände zwischen einzelnen Speichereinheiten
Überwachungstechnik
Notfall- und Sicherheitskonzepte
Wartungsstrategien
Erfahrungen der Hersteller und Betreiber
Was aus technischer Sicht eine kleine Planungsentscheidung sein mag, kann für die Versicherbarkeit eines Projekts erhebliche Auswirkungen haben.
Deshalb lohnt es sich, Versicherungsexperten bereits frühzeitig in die Projektentwicklung einzubeziehen.
Spezialisten schaffen maßgeschneiderte Lösungen
Die gute Nachricht: Parallel zum Wachstum des Speicher-Marktes hat sich auch der Versicherungsmarkt weiterentwickelt.
Mittlerweile gibt es spezialisierte Makler, Berater und Versicherer, die über umfassende Erfahrung mit BESS-Projekten verfügen. Sie kennen die technischen Besonderheiten moderner Speicheranlagen und können Versicherungskonzepte entwickeln, die auf die tatsächlichen Risiken der jeweiligen Anlage abgestimmt sind.
Dabei geht es nicht nur um die Absicherung von Sachschäden.
Ebenso wichtig sind häufig:
Ertragsausfallversicherungen
Montageversicherungen
Betreiberhaftpflichtkonzepte
Absicherung von Rückbau- und Entsorgungskosten
Schutz vor Betriebsunterbrechungen
Ein professionell strukturiertes Versicherungsprogramm trägt zudem dazu bei, die Anforderungen von Banken und Investoren zu erfüllen und die Finanzierbarkeit des Projekts zu stärken.
Entscheidend ist nicht die Police, sondern die Leistung im Schadenfall
Die wichtigste Frage lautet letztlich nicht, ob ein Batteriespeicher versichert wurde.
Die entscheidende Frage ist:
Wird der entstandene Schaden im Ernstfall auch tatsächlich reguliert?
Gerade bei komplexen Technologien wie BESS können unklare Vertragsformulierungen, Ausschlüsse oder unzureichend beschriebene Risiken später zu Problemen führen.
Deshalb sollten Projektentwickler besonderes Augenmerk auf die Qualität des Versicherungskonzepts legen und nicht ausschließlich auf die Höhe der Prämie.
Fazit
Batteriespeicher-Energiespeichersysteme sind ein wesentlicher Baustein der nächsten Ausbaustufe erneuerbarer Energien. Sie erhöhen die Flexibilität von Solarparks, schaffen neue Erlösquellen und verbessern die Netzintegration.
Gleichzeitig entstehen Risiken, die weit über die klassischer Photovoltaikanlagen hinausgehen. Technische Defekte, Brandereignisse, Betriebsunterbrechungen und hohe Wiederherstellungskosten können erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
Für Projektentwickler, Investoren und Betreiber ist deshalb eine professionelle Risikoanalyse unverzichtbar. Die gute Nachricht ist, dass heute spezialisierte Versicherungs- und Beratungslösungen verfügbar sind, die auf die Besonderheiten von BESS-Anlagen zugeschnitten sind.
Denn wie bei Agri-PV gilt auch bei Batteriespeichern: Eine Versicherung allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass das Konzept so ausgestaltet ist, dass im Schadenfall tatsächlich der Versicherungsschutz besteht, den das Projekt benötigt.




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